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Von Guben nach Krakow

Eine Tour durch das ehemals "Schlesische" 

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Etappen

Eigentlich wollten wir in Fortsetzung unserer Flussfahrten die Oder aufwärts radeln, aber die Karten gaben eine solche Tour nicht unbedingt her. So kam es, dass wir in einem Zickzackkurs von Guben nach Krakow (immer gegen den Wind!) fuhren. Es wechselten sich Heidelandschaft bzw. Kiefernwälder ab mit ausgeräumten Weizenfluren der Börde, im  südlichen Hintergrund das Mittelgebirge. Dieses Nord-Süd-Profil ist mit dem in Norddeutschland durchaus vergleichbar.

Es war eine interessante Tour, allerdings fehlten die landschaftlichen Höhepunkte. Es gab eigentlich keinen Abschnitt, den wir besonders empfehlen müssten. Dazu fehlten einfach die Radwege entlang den Flüssen (Oder, Bober), außerdem fuhren wir mitten durch die schlesische Börde und begaben uns nicht in die Sudeten oder ins Riesengebirge, die natürlich eine ganz andere Optik bieten. Andererseits erhielten wir intensivere Eindrücke zu den unterschiedlichen Lebensbedingungen in den ländlichen und städtischen Teilen des Südwesten Polens. Es begegnete uns zwar kaum noch der in der Reiseliteratur häufig erwähnte Pferdewagen, aber in den Dörfern war zu sehen, wie sehr das Leben dort auf Selbstversorgung angelegt ist. Kaum ein Haus, das neben dem Blumengarten nicht auch noch scharrendes und schnatterndes Geflügel beherbergt und wo vermutlich außerdem noch ein Schwein oder ein Schaf gehalten wird. Nicht zu übersehen auch in vielerlei Hinsicht die Härte des Alltaglebens und das Alkoholproblem.

Überrascht waren wir dann aber von Wroclaw/Breslau. Während wir uns von Krakow schon vorher einiges versprochen hatten (nicht umsonst sollte die Stadt in die Liste der zwölf bedeutendsten historischen Stätten der Welt aufgenommen sein), hatten wir von Breslau nichts Besonderes erwartet. Wir hatten Bilder im Kopf von einer nach 1945 komplett zerstörten Stadt, wussten zwar aus der Literatur vom wieder aufgebauten Rathaus und dem Rynek und waren trotzdem erstaunt: Warum eigentlich haben die Polen eine vormals deutsche Stadt so wieder hergestellt? Warum haben sie nicht so gehandelt wie es in Deutschland gang und gäbe war und haben Beton in die Innenstadt gestellt wie in Magdeburg und auch in die meisten westdeutschen Städte? Natürlich ist die Innenstadt mittlerweile vom Tourismus geprägt. Wir sagen: zu Recht. Hinfahren und ansehen.

Wenig gute Erfahrungen machten wir mit der Fahrradfreundlichkeit (wenn man diesen Begriff so überhaupt gebrauchen kann) der meisten  Autofahrer. Wir fühlten uns mehr wie UFOs (unbekannte Fahrobjekte). Ein angemessener Seitenabstand bei angemessener Geschwindigkeit wäre häufig wünschenswert gewesen. Gelegentlich half nur ein Satz zur Seite. Geschwindigkeitsbegrenzungen in Dörfern werden schlichtweg ignoriert. Und so passiert es häufig, dass ein LKW mit ca. 100 km/h das Dorfleben zernagelt.